Rückgang deutscher Turniere - Sorge um Reiternachwuchs
Rückgang nationaler Turniere verschärft Sorgen um Basis und Leistungsförderung
16. Februar 2026 um 16:24Von s.wahl

Der nationale Reitsport in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Wie aktuelle Zahlen zeigen, fanden im Jahr 2024 rund 200 Turniere weniger statt als im Vorjahr. Die Entwicklung sorgt bei Verantwortlichen, Trainern und Veranstaltern gleichermaßen für Besorgnis. Während bei den VR Classics in Neumünster am vergangenen Wochenende noch volle Ränge und beste Stimmung herrschten, ist die Lage hinter den Kulissen deutlich angespannter.
Im Rahmen seiner Live-Berichterstattung bei den VR Classics in Neumünster am vergangenen Wochenende veröffentlichte der Norddeutsche Rundfunk einen sehr interessanten Beitrag zur Entwicklung im deutschen Turnierreitsport.
Finanzielle Grundlage
Die wirtschaftliche Situation der vergangenen Jahre habe auch den Pferdesport spürbar getroffen. Turnierveranstalter Volker Wulff verweist auf drei Jahre wirtschaftliche Rezession, die sich deutlich bemerkbar machten. Die Gewinnung von Sponsoren und Unterstützern gestalte sich zunehmend schwierig, selbst im kleineren Veranstaltungsbereich. Damit fehle vielen Turnieren eine verlässliche finanzielle Grundlage.
Stetig steigende Kosten
Neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stehen auch die steigenden Kosten in der Pferdehaltung im Fokus. Otto Becker, Bundestrainer der deutschen Springreiter, weist auf deutlich gestiegene Ausgaben durch Mindestlohnanpassungen sowie höhere Tierarztkosten hin. Diese Entwicklung führe dazu, dass potenzielle Käufer zurückhaltender agierten oder sich lediglich an Pferden beteiligten, anstatt selbst zu investieren. Ein Mangel an Nachwuchstalenten bestehe zwar nicht, wohl aber an ausreichender Leistungsförderung und an Spitzenpferden.
Hochdotierte Turniere im Ausland
Zusätzlichen Druck erzeugt die internationale Konkurrenz. Hochdotierte Fünf-Sterne-Turniere in den USA, Shanghai, Marokko oder Abu Dhabi locken mit Millionen-Preisgeldern. Dadurch verlagere sich der Fokus vieler Aktiver zunehmend ins Ausland. Gleichzeitig entstehe der Eindruck, dass nur noch diese Veranstaltungen sportlich relevant seien. Verantwortliche fordern daher eine Stärkung der nationalen Basis und eine Attraktivitätssteigerung des Turniersports in Deutschland und Europa.
Nachwuchstrainer in Sorge
Besonders betroffen sind ländliche Vereine. Nachwuchstrainer Eberhard Seemann sieht die Entwicklung mit Sorge. Für kleinere Vereine werde es immer schwieriger, Turniere zu organisieren sowie Nachwuchs und ehrenamtliche Helfer zu gewinnen. Er betont die gesellschaftliche Bedeutung des Pferdesports, insbesondere für Kinder und Jugendliche, und fordert stärkere Unterstützung durch die Verbände.
Die rückläufige Zahl an Turnieren ist damit nicht nur ein organisatorisches Problem, sondern betrifft die gesamte Struktur des deutschen Reitsports. Experten sehen dringenden Handlungsbedarf, um die Basis zu stabilisieren und langfristig die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
HIER geht es zum interessanten Beitrag des NDR vom 15.02.2026!
Foto: Pferdefotografie Lafrentz
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